Jacques-Ignace Hittorff

Einführung
Entwurf für die Bebauung der Place de
l'Etoile

Jacques-Ignace Hittorff
(Köln 1792—Paris 1867)

Jakob Ignaz Hittorff wird am 20. August 1792 in Köln als Sohn eines durch Gewerbe wohlhabend gewordenen Handwerkers in einer politisch sehr unruhigen Zeit geboren. Das revolutionäre Frankreich hatte im April 1792 Österreich den Krieg erklärt und erlitt am Geburtstag Hittorffs eine erste Niederlage bei Verdun durch die mit den Habsburgern verbündeten Preußen. Der Weg der antirevolutionären Koalition nach Paris war eröffnet. Er führte jedoch einen Monat später über die cannonade de Valmy zur Ausrufung der Republik in Frankreich und zur Massenmobilisierung der französischen citoyens zu ihrer Verteidigung. In der Folge entwickelt diese revolutionäre Republik so starke Energien, daß es die militärischen und politischen Widerstände in Europa bricht und seine Willen zum Umbruch zu seinen Nachbarn trägt. Auch Hittorff, als Bürger der freien Reichsstadt Köln geboren, ist davon betroffen. Nach der Besetzung Kölns durch die Revolutionsarmeen 1794, der Etablierung des Ruhr-Departements in den linksrheinischen Gebieten 1797 und seiner offiziellen Anerkennung im Frieden von Lunéville 1801 wird der junge Hittorff zum ersten Mal französischer Staatsbürger.

1810 begibt sich der junge Franzose Hittorff nach Paris, um den von seinem Vater bereits vorbestimmten Beruf des Architekten an der Académie des Beaux-Arts bei Charles Percier zu lernen. Percier hatte mit Fontaine den Style Empire in Anlehnung an antike Formenelemente entwickelt und in Höchstformen ausgeprägt. Die Lehrzeit bei Percier bleibt für Hittorff in seinem Stil prägend, Perciers Einfluß Zeit seines Lebens spürbar. Er führt Hittorff in die Pariser Gesellschaft ein, vermittelt ihm seine Begeisterung für das antike Italien und bringt ihn schließlich in Kontakt mit einem zweiten wichtigen Architekten, Bélanger. Dieser wird Hittorff in sein Büro als Mitarbeiter aufnehmen und ihn als einen der wichtigsten Architekten der folgenden Regierungen unter Karl X., Louis-Philippe und Napoléon III, im Paris der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts plazieren.

In der Zwischenzeit hatte Hittorff nach dem Wiener Kongreß 1815 seine französische Staatsbürgerschaft verloren und wurde offiziell Angehöriger der preußischen Rheinprovinz. Er war seit 1810 in Paris, hatte die Tochter des Architekten Lepère geheiratet und wollte dort Karriere machen, ob als Franzose oder Deutscher war zweitrangig. Allein die Bindung zu seiner Heimatstadt Köln war für ihn wichtig gewesen, nicht umgesetzte Projekte für ein Theater und ein Museum in Köln, aber auch die letzten Verfügungen, seinen Besitz der Stadt Köln zu schenken, bezeugen dies. "Seiner Herkunft nach ist Hittorff zu den Deutschen zu rechnen", so Karl Hammer 1968, "seiner Bildung nach war er Franzose." Die dem Kölner fremde preußische Staatsangehörigkeit bereitete ihm aber Probleme bei seiner Bewerbung um die ersehnte Aufnahme in das Institut de France und der damit verbundenen Anerkennung. Hittorff, der das Rheinland seit langem verlassen hatte, beantragte mehrmals die französische Staatsbürgerschaft und erhielt sie schließlich 1842 per Dekret durch den Bürgerkönig Louis-Philippe. Seiner offiziellen Konsekration stand nun nichts mehr im Weg, er wurde schließlich Mitglied der Académie des Beaux-Arts und der Ehrenlegion.

Hittorff ist als ein französischer Architekt zu betrachten, der allerdings immer in Kontakt stand mit seinen deutschen Freunden und Kollegen. Der umfangreiche Briefverkehr verrät sein Interesse an den Debatten in Deutschland, an denen er zwar nicht aktiv teil nimmt, aber sich dennoch damit aus einer französischen Warte heraus beschäftigt. Dieses Oszillieren zwischen den Ländern und Kulturen macht aus Hittorff ein fruchtbares Forschungsthema sowohl für das Verständnis der französischen als auch der deutschen Kunst und Architektur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Frédéric Bußmann



Letzte Änderung: 22.08.2016 00:17:25 | Disclaimer | Kontakt | Anfang